Sami steckt fest/3. Kapitel

 

Tobias` Schrei nach seiner Mutter hallte durchs ganze Haus.

„Mama, komm schnell, Sami steckt fest! Er kommt nicht mehr vor und nicht mehr zurück!“

Eilig rannte Mama Lisa die Treppe hoch. Sami hing halb im Buch und halb im Kinderzimmer. Eigentlich war die Situation zum Lachen, wenn sie nicht so ernst gewesen wäre. Mit großen, erschreckten Augen, blickte der kleine Elefant auf Mama Lisa, wie er sie nannte.

„Ich habe geahnt, dass das nicht mehr lange gut geht“, schimpfte sie. „Wir müssen uns eine andere Lösung einfallen lassen! Wo kann ich dich anfassen und ziehen, Sami? An deinem Rüssel oder an den Ohren. Wo tut es am wenigsten weh?“

„Zieh am Rüssel, Mama Lisa, der ist stark und nicht so empfindlich. Aber bitte befreie mich aus dieser misslichen Lage, bitte!“

Mama Lisa zog und Sami schob mit den Beinen, die noch im Buch steckten, nach. Schnell war er befreit und saß vor Schreck ziemlich bedröppelt auf dem Teppich.

„So geht es nicht auf Dauer. Sami, du gehörst nicht mehr ins Buch und auch nicht mehr in deine Märchenwelt. Lasst euch was einfallen. Ihr habt mir von der Hexe Chalun erzählt. Sie muss den Zoo und alles, was damit zusammengehört, ins richtige Leben zaubern, damit ihr euch sehen könnt, wann immer ihr wollt. Du bist doch sowieso mehr in unserer Welt als im Zauberbuch. Würde dir das nicht gefallen, Sami?“

Den beiden blieb vor Überraschung der Mund offen stehen. An so etwas hatten sie noch nie gedacht.

„Ja, geht das denn, Mama Lisa?“, wollte Sami wissen und lutschte, bei dieser Vorstellung, vergnügt an seinem Rüssel.

„Das weiß ich nicht“, bekam er zur Antwort. „Fragt die Hexe, die wird es wissen.“

„Ich lass euch jetzt alleine“, sagte Mama Lisa zwischen Tür und Angel und ihr überlegt, wo ihr sie treffen wollt. Wegen mir hier im Zimmer. Aber ich will sie nicht kennenlernen. Mit Hexen will ich nichts zu tun haben!“

Sami und Tobias brauchten nicht lange, um zu überlegen.

Tobias öffnete das Fenster.

„Steig auf! Wir wissen doch beide, wo sie wohnt“, lachte Sami. Er öffnete seine Flügel und schon waren sie auf dem Weg zu Chalun, der Hexe.

Das Schloss, in dem sie zuletzt gelebt hatte, suchten sie aber vergebens.

„Dann wohnt sie wieder in ihrer alten Hütte“, sagte Sami und flog in eine andere Richtung. Sie fanden auch sofort ihre windschiefe Hütte, nichts hatte sich daran verändert.

„Sie ist zu Hause“, bemerkte Tobias, „ihr Flugbesen steht vor der Haustüre.“

Sami klopfte mit dem Rüssel an die Türe.

„Wer stört?“, geiferte sie und riss von innen die Türe auf. Erschreckt wich sie zurück, als sie Sami vor sich erblickte.

Sie begann zu stottern.

„Sa … Sa … Sami!

„Ah und Tobias auch! Wie könnte es auch anders sein! Ihr wart lange nicht hier! Was treibt euch denn in meine Hütte?“

„Nichts Besonderes“, sagte Sami, wir brauchen nur deine Hilfe und Hexenkunst. Du musst uns helfen!“

„Hab ich mir`s doch gedacht! Habt ihr wieder was ausgefressen? Raus mit der Sprache!“

„Nicht wirklich, Chalun“, begann Tobias. Sami möchte nicht mehr im Märchenbuch leben. Er passt da nicht mehr rein. Er möchte in meiner Welt zu Hause sein. Tu ihm den Gefallen.“

„Wie stellt ihr euch das vor?“, geiferte sie und strich ihre Schürze glatt, fuhr sich durch ihre zottligen Haare und man sah ihr an, dass sie ernsthaft überlegte.

Das würde ja bedeuten, der Zoo, alle Tiere, Pako und alles, müsste in die Welt von Tobias …!

Bei jedem Wort der Hexe nickte Tobias mit dem Kopf und Sami schwang vor Freude seinen Rüssel hin und her. „Ja, ja, ja …“

Plötzlich fragte Sami verwundert.

„Woher weißt du denn, dass ich jetzt im Zoo arbeite?“, fragte er verwundert.

„Ach, mein kleiner Elefant, kennst du mich noch immer nicht nach so langer Zeit? Hast du unsere Abenteuer schon alle vergessen? Hexen wissen fast alles, merk dir das.“

„Wirst du ihm helfen?“, fragte Tobias.

„Ich überleg es mir“, bekam er zur Antwort. „Das muss alles gut bedacht sein. „Wenn Sami in der Menschenwelt leben will, gibt es kein zurück mehr für ihn. Und wie stellt ihr euch das vor? Er kann nicht einfach alleine durch die Straßen marschieren oder durch die Lüfte mit dir fliegen. Ihr werdet auffallen und das gibt ein großes Aufsehen und viel Ärger.

„Aber er hat seine Zauberfeder, wenn es brenzlig wird, kann er sich unsichtbar machen, stimmt`s Sami? Tagsüber hat er ja seine Vorstellungen im Zoo und abends ist es dunkel, wenn wir uns treffen. Bitte Chalun mach` es.“

Die Hexe schüttelte bedenklich ihren Kopf. „Gut! Mal sehen! Und nun verschwindet. Ich habe nachzudenken und viel zu tun.“