Fred und die Himmelsleiter

 

Der gute, alte Mond hatte es oft nicht leicht, seine Sternenkinder

abends auf ihre Plätze zu stellen. Besonders die Kleinsten

wollten nicht stillstehen und leuchten, sondern lieber über den

Himmel flitzen und hinter den Wolken Verstecken spielen.

Eines Nachts geschah es, dass ein besonders wilder kleiner

Stern mitten im schönsten Spielen zwischen den Wolken hindurch

rutschte und auf die Erde fiel.

Fred, der Frosch, hatte den ganzen Tag auf seinem Lieblingsstein

gesessen und geschlafen. Als der Mond hoch am Himmel

stand, begann er sein allabendliches Quakkonzert. Seine

Gedanken waren bei der lieblichen Libelle Moni. Er hatte sie

lange nicht gesehen. Seit Pako, der Wassergeist, vor aller

Augen den Karpfen verschlungen hatte, waren die Libellen

geflohen. Daraufhin hatte er enttäuscht seinen Wassertümpel

wieder aufgesucht. Ach, wie gerne würde er die kleine Libelle

wiedersehen! Aber wenn er an den Wassergeist dachte, verfärbte

sich seine grüne Farbe vor Angst um drei Töne dunkler.

Er richtete seine Glupschaugen in den Himmel, um den Mond

und die Sterne zu betrachten, da blieb ihm vor Schreck das

Quaken im Halse stecken. Er erblickte ein kleines Sternenkind

genau über dem See zur Erde trudeln.

„Ach, du grüne Fresse“, dachte Fred, „welch ein Unglück!

Wenn der Wassergeist das Sternlein findet, ist es verloren! Ich

muss an den See. Und zwar sofort!“

Mit einem weiten Sprung verließ er seinen Stein und hopste

mit großen Sprüngen an den See. Dort sah er gerade noch,

wie das vor Angst heftig blinkende Sternlein, im See versank

und erlosch.

Mutig stürzte sich Fred in den See. Um ihn herum wurde es

immer dunkler und kälter. Er wühlte sich durch Schlingpflanzen,

buddelte im Modder, doch den kleinen Stern fand er

nicht. Nach langem Suchen hörte er ganz in seiner Nähe lautes

Weinen. Aber sehen konnte er es nicht. Doch nicht nur der

Frosch hatte das Sternenkind vom Himmel plumpsen sehen.

Auch dem guten, alten Mond war der Sturz seines Sternleins

nicht entgangen. Deswegen handelte er schnell. Er befahl den

stärksten Mondstrahlen, sich zu einer Leiter zu verknüpfen.

Mit der Leiter näherte er sich der Erde, so weit es ging und

ließ sie in den See eintauchen. Dann blähte er sich auf, bis er

dick und rund war, zündete alle Mondlichter auf einmal an, die

den See in gleißendes Licht verwandelten. Dann wartete er

und hoffte, das sein Sternenkind es schaffen würde aufzutauchen

und die Leiter zurück in den Himmel zu erklimmen!

Nun endlich konnte Fred das hilflos weinende Sternlein sehen.

Es hatte sich auf dem Grund des Sees in den Schlingpflanzen

verfangen und zappelte verzweifelt wie ein Fischlein

im Netz. Dabei weinte es so laut, dass Fred aus Angst vor

Pako, dem Wassergeist, sein rechtes Froschbein hob und

dem Stern mitten auf den Sternenmund drückte.

„Psst!“, machte er, „hör sofort auf zu weinen, denn wenn Pako,

der Wassergeist uns entdeckt, sind wir beide verloren!“

Vor Angst wurde es augenblicklich stumm. Er befreite das

Sternlein, zog es an die Wasseroberfläche, schnappte erst

mal kräftig nach Luft und stieß mit dem Kopf gegen einen

Gegenstand.

„Bei all meinen Froschschenkeln“, rief er überrascht, „was ist

das denn?“ Doch dann begriff er. Es war eine Leiter, die direkt

in den Himmel führte.

„Du machst den Anfang“, befahl Fred und stellte das Sternlein

auf die erste Sprosse.

„Niemals!“, rief es entsetzt, „das schaffe ich nie!“

Was blieb dem Frosch anderes übrig! Er blieb hinter dem

Sternenkind und schubste es Stufe für Stufe hinauf. Je näher

sie dem Himmel kamen umso kälter wurde es. Es dauerte

sehr lange, bis sie die Leiter erklommen hatten und endlich im

Himmel eintrafen. Der Mond war über die sonderbare Begleitung

seines Sternenkindes überrascht. Doch dann strahlte er

über das ganze Gesicht. Er verwies das junge, wilde Sternlein

zur Strafe sofort in seine Mondkammer. Über seinen Ungehorsam

würde er morgen mit ihm reden, verkündete er.

Fred begann zu zittern, denn es war sehr kalt dort oben.

Als der Mond das bemerkte, fragte er: “Wie kann ich mich bei

dir bedanken oder was kann ich für Dich tun?“

„Lass die Leiter noch eine Weile im See hängen und knips

dein Licht bitte nicht aus!“, bat der Frosch. Er verabschiedete

sich und bat um Nachsicht für das kleine, wilde Sternenkind.

Sofort machte er sich auf den Weg. Sprosse für Sprosse

hopste er nach unten, immer auf der Hut nicht abzurutschen.

Die letzten drei Sprossen ersparte er sich und sprang, glücklich

über seine mutige Tat, kopfüber in das Wasser. Danach

legte er sich ungeniert auf ein Seerosenblatt, schlug die

feuchten Froschschenkel übereinander, dass es nur so

klatschte, und schlief ein.

Sein Schlaf wurde jedoch jäh unterbrochen. Pako, der Wassergeist

war direkt unter seiner grünen Schlafstätte aufgetaucht.

In hohem Bogen landete der Frosch erneut im See.

Und schon grapschte der Wassergeist mit seinen stinkigen,

grünbehangenen breiten Händen nach ihm. Aber Fred war

schneller. Er tauchte ab und schwamm unter Wasser bis ans

Ufer. Dann hüpfte er mit riesigen Sprüngen zu seinem Wassertümpel

am Waldesrand.

Bevor er einschlief, schwor er sich:

„An den See ziehen mich keine zehn Hirschhornkäfer mehr hin!"