gem. v. Claudia Quiske

Der Wunderkot

 

Die alte Frau wohnte abgeschieden in einer kleinen

Kate am Ende des Dorfes, in der Nähe einer

Kleinstadt. Im Dorf wusste man nicht viel von ihr.

Jemand erzählte, sie hätte ihren Mann und zwei

Kinder überlebt, deshalb lebe sie so zurück

gezogen. Die Frau sprach lieber mit ihren Blumen

als mit Menschen, denn ihre größte Freude war ihr

kleiner Garten. Dort pflanzte sie viele Sorten von

Blumen, die sie jeden Samstag in der Stadt als

Zubrot verkaufte. Die Erde war karg, sehr steinig

und die Blumen kümmerlich, so wie ihre Rente, die

nicht vorne, noch hinten reichte. An den kommenden

Winter durfte sie überhaupt nicht denken. Sie

brauchte dringend einen warmen Wintermantel und

warme Schuhe, aber woher nehmen und nicht

stehlen! Die Frau stand im Garten. Sie schaute

zuerst auf die mickrigen Blumen und die Steine, die

täglich zu wachsen schienen, obwohl sie von ihr

immer entfernt wurden und dann mit einem

flehenden Blick in den Himmel.

„Du, da oben“, den Namen Gott nahm sie schon lange

nicht mehr in den Mund, „kannst Du nicht einmal

einen Blick auf meine Blumen werfen oder mir ein

Wunder schicken?“ Dann setzte sie sich auf die

Bank vor dem Häuschen und grübelte vor sich hin.

Plötzlich verdunkelte ein riesiger Schwarm

schwarzer Vögel den Himmel. Wie auf Kommando

machte es platsch, platsch, platsch. Es platschte

nur so vom Himmel herunter. Der Vogelkot lag

überall. Auf der Straße, im Garten, auf ihren

Schuhen, sie konnte nur noch das Weite suchen.

„Was war das denn?“ fragte sich die Frau

verwundert als die Vögel vorbei gezogen waren.

Wohin damit? Sie holte einen Besen und Spaten und

schippte alles in ihren Garten zwischen den

Blumenbeeten.

Bald danach, traute sie ihren Augen nicht. In ihrem

Garten blühten die Blumen in einer Pracht, wie sie

es noch nie erlebte hatte. Satte grüne Stängel und

Blätter, Blüten so bunt und leuchtend, wie im

Paradies. War sie bisher nur einmal in der Woche in

die Stadt gefahren, um ihre Blumen zu verkaufen,

so musste sie es jetzt dreimal tun. Der Winter

konnte kommen, ihr war nicht mehr bange wegen

dem Mantel und der Schuhe. Sie ahnte, wem sie das

zu verdanken hatte!

Nach vielen Jahren faltete sie wieder ihre Hände

und sagte schlicht und einfach: „Ich danke Dir für

Deine Hilfe – Du, da oben!“