Die Heuschrecke

 

Eine alte Heuschrecke saß mit einigen Altersgenossen hinter

einer Humuswand und schaute neidig und verdrossen einer

Lerche nach, die sich leicht und beschwingt ins Blaue

schwang. „Schaut nur die dumme Gans an!“, rief er. „Und wie

hässlich sie schreit!“

„Warum schreit sie denn so?“, piepste ein junges, grasgrünes

Schreckchen.

„Warum schreit sie denn so?“, wiederholte er. „Weil sie meint,

sie könnte die Sonne einschüchtern, ihr ins Gesicht springen

und sich danach einen warmen Tag machen. Aber das muss

man ganz anders anfangen!“

„Wie muss man das denn anfangen?“, wollten einige andere

jungen Grashüpfer wissen.

Da kam sich die Heuschrecke ungemein wichtig und gescheit

vor und wurde beinahe dunkelgrün vor Eitelkeit und Einbildung.

„Das macht man so“ – sagte sie und summte heftig – „ das

macht man so, dass man wie Minerva aus dem Haupte Jupiters

mit einem Satz überraschend und verblüffend mitten in die

Sonne hineinspringt“

„Seht ihr so!“, schrie sie, ganz blind vor Eifer, machte einen

großen Satz und saß im Meckermaul einer vorbeitrabenden

Ziege, die es, erstaunt über den ungewohnten Nachtisch,

vergnügt zuklappte.