Der Kirchturmhahn

 

Der Hahn stand sein Leben lang auf der Kirchturmspitze und

suchte das Tal nach etwas Neuem ab. Da strich ein Zug Stare

vorbei.

„Wohin Kameraden?“, rief er.

"Über die Berge in die Stadt.“

"Und dann?“, wollte er wissen.

„Über die Stadt zum Gebirge.“

„Und dann?“

„Über das Gebirge zum Meer.“

„Und von dort?“, rief er ganz aufgeregt.

„Über das Meer nach Afrika.“

„Und danach?“

„Den Winter über – und wieder zurück!“

Die Reise ging dem Hahn nicht mehr aus dem Kopf. Er war lange

zufrieden da oben gestanden und hatte sich gefreut, wenn die

Kinder zu ihm herauf sahen und dabei die Hände über die Augen

legten. Denn er dachte, sie seien von seinem Glanze geblendet.

Jetzt aber machte ihm die Verwunderung keine Freude mehr.

„Ich möchte es so schön haben wie die Stare. Ich möchte reisen.

Ich möchte in die Welt hinaus!“

Die Glocke im Turm hatte ausgeläutet und brummte ihn an.

„Hahn heißt du – aber ein Esel bist du. Wer im Leben immer

seine Pflicht getan und ein Heim hat, begehrt nicht nach

Abenteuern! Hör mir zu! Wenn du dir die Ohren nicht verklebt

hast, siehst und hörst du genug von der Welt.“

„Ich will nicht zu hören“, krähte der eigensinnige Hahn. „In die

Stadt will ich. Über die Berge will ich. Übers Meer will ich. Nach

Afrika will ich…“

Und bei jedem Wort streckte und reckte er sich höher und höher,

bis seine Beine ganz dünn waren. Da kam der Sturm und sie

brachen ab.

Nun liegt er unten auf dem Misthaufen.