Der Acker

 

Die vom Pflug aufgerissenen Erdschollen starrten verwundert und geblendet in die

Frühlingssonne und wussten nicht, was sie zu dem neuen Leben sagen sollten!

Einige von ihnen lagen still und lauschten ahnend auf das Werdewunder, das an

ihnen geschehen würde!

Die Anderen drehten sich träge, gähnend und schliefen wieder ein, wie sie vorher

geschlafen hatten. Andere wieder plauderten über all das neue, das sie sahen.

Die jüngsten Schollen aber waren unzufrieden.

„Jetzt muss man sich“, schalt die eine, „ aus dem Boden heraufreißen lassen und

wird ans Licht befördert und liegt hier in seiner Nacktheit und Unscheinbarkeit.

Was denkt der Pflug sich eigentlich?“

Eine Andere meinte: „Ich schäme mich, wie ich aussehe! Sieh nur, die Tautropfen an,

wie smaragdgrün sie glänzen! Und die zarten Blätter der Disteln. Und die

Rubinkelche der Nelken da drüben!

Pfui Teufel! Mir ekelt vor meiner schmutzigen, graubraunen Farbe!“

Und während sie noch jammerten und grollten, kam ein Mann des Weges, dem die

Jahre Schnee in die Locken und Staub in den Bart geschüttet hatten, während er in

der Fremde weilte.

Er stand und stand vor den schwer duftenden Erdschollen. Dann sank er mit

zitternden Knien zu Boden und küsste die Erde, während aus seinen Augen Tränen rannen.

„Heimaterde! Ich grüße dich.