gem. v. Jutta Schröder

 

Mimis gestohlener Hexenbesen

 

Der Zauberer Flax freute sich auf seinen großen Auftritt bei

einem Zauberabend. Dort konnte jeder zeigen, was er an

Zauberkünsten Neues dazugelernt hatte. Mit seinem

blinkenden Zauberstab in der Hand machte er sich auf den

Weg dorthin.

„Die anderen werden staunen“, dachte er. „Heute Abend hole

ich mir den schönsten Pokal, der vergeben wird!"

Vor lauter Vorfreude fuchtelte er mit seinem Zauberstab herum

und schwupps, flog er ihm aus der Hand und fiel in hohem

Bogen in eine tiefe Schlucht. Blitzend und blinkend blieb er in

einer Felsspalte stecken. Flax blieb vor Schreck fast das Herz

stehen. Aus war es mit seinen schönen Träumen vom Pokal.

Ohne Zauberstab konnte er nicht einmal eine Mücke in eine

Fliege verwandeln. Ihn aus dem Spalt zurückzaubern ging auch

nicht. Lange saß er am Rande der Schlucht und um ihn herum

wurde es immer dunkler.

Plötzlich hörte er ein Rauschen und lautes Singen. Schön

gemütlich kam die Hexe Mimi auf ihrem Hexenbesen dicht an

Flax vorbeigeflogen.

Hurtig sprang er auf. Sie hatte ihn nicht bemerkt. Während des

Landeanflugs sprang er flink ab, damit ihn die Hexe nicht doch

noch bemerkte. Und dann sah er, wie Mimi in ihrer

windschiefen Hütte verschwand. Leise schlich er näher.

Ihr Besen stand direkt neben der Eingangstür. Innen im Raum

rührte die Hexe in Tiegeln und Töpfen, sang dabei so laut, dass

sie nichts hörte und nichts sah. Vorsichtig griff der Zauberer

nach dem Hexenbesen, schwang sich drauf und gab ihm den

Befehl, zur Schlucht zu fliegen.

Einauge, Mimis Rabe, hatte den Diebstahl des Besens bemerkt.

Er krächzte laut: „Mimi, dein Besen ist!“

Weil Mimi so laut sang, hörte sie nicht, was der Rabe ihr sagen

wollte.

Er versuchte es noch einmal, aber es war umsonst. Also

schwieg er und verfolgte den Dieb. Er kehrte aber bald wieder

zurück.

Als die Hexe fertig war, suchte sie vergebens nach ihrem

Besen.

Da meldete sich wieder der Rabe: „Mimi, darf ich was sagen?“

„Jetzt nicht!“, brüllte sie ihn an.

„Wo habe ich denn nur meinen Hexenbesen gelassen?“, rief sie

immer wieder und drehte sich suchend im Kreise herum.

„Aber Mimi, dein Hexenbesen wurde soeben gestohlen und ich

weiß auch von wem, denn ich habe ihn verfolgt.

„Was? Das sagst du mir erst jetzt?“, schrie sie wütend. "Wofür

füttere ich dich denn durch? Du solltest auf ihn aufpassen!"

„Aber ich habe doch versucht!“, krächzte er. "Du findest den

Dieb vor der großen Schlucht!"

Aber Mimi war schon durch die Türe verschwunden.

"Ob sie es noch gehört hat?", dachte der Rabe und steckte

seinen Kopf unter den Flügel.

In der Zwischenzeit hatte Flax, der Zauberer, die Schlucht

erreicht. Er flog zu seinem Zauberstab, riss ihn aus der Spalte

und im Nu stand er wieder oben am Rande der Schlucht.

Aber dort erwartete ihn schon die Hexe.

„Was fällt dir ein, meinen Besen zu stehlen?“, schleuderte sie

ihm entgegen. Gibt es einen besonderen Grund dafür?“

Flax, der Zauberer, senkte beschämt seinen Kopf und

entschuldigte sich. Dann erzählte er der Hexe von seinem

Missgeschick mit dem Zauberstab.

Mimi warf einen Blick auf den Stab und brach in lautes Lachen

aus.

„Hi, hi, ha, ha! Mit dem wirst du nie einen Pokal gewinnen. Dem

fehlt das Wichtigste, nämlich die Spitze!“

„Oh Schreck! Das hatte Flax noch gar nicht bemerkt.

„Und was nun?“, rief er verzweifelt.

Da hatte Mimi eine Idee!

„Da es dein größter Wunsch ist, diesen Pokal zu gewinnen,

werde ich dir helfen.“

„Lass uns versuchen, die Spitze vom Zauberstab wieder

dranzuzaubern! Fang du an!“, forderte sie den Zauberer auf.

Flax versuchte es drei Mal, aber nichts geschah. Dann nahm

Mimi den Stab in ihre Hand und sprach ihren Zauberspruch,

doch auch da geschah nichts.

Vor Wut rief sie: „Sappralotta, verflixt noch mal!“ Und siehe da,

an dem Zauberstab funkelte eine nagelneue Spitze.

„So macht man das!“, sagte sie stolz. „Wenn du dich beeilst,

kommst du noch pünktlich zu deinem Auftritt!

Und wenn du deinen Pokal gewonnen hast, komm bei mir

vorbei, damit wir deinen Sieg feiern können.

Am nächsten Tag kam Flax und zeigte Mimi stolz den

gewonnenen Pokal, den sie gemeinsam mit einem Glas

Hexenwein feierten.