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                                  Kinderbuch:  "Lilly und der Potzemockel"
                                           Karina - Verlag - Wien - 2017

                                      Taschenbuch:  160 Seiten

                                       ISBN: 978-3-903161 - 412 - 9
                                       Preis: Euro 11,90   Altersgruppe 4-12 Jahre
 
                                       
 
                                        Kinderbuch - "Sieben goldene Tränen"
                                        Verlag: Karina - Verlag -  2016

                                        Taschenbuch: 139 Seiten

                                        ISBN: 978-3-903056-87-9

                                        Preis Euro 9.99  Plus 1 Euro Porto -  Altersgruppe 4 - 10 Jahre
 
                                       
 
                                       "Die Erzählungen vom Winterkind"
                  Taschenbuch 100 Seiten
                 Verlag: Karina - Verlag/ 29. Aug. 2016
                  ISBN - 10: 3903161055
                  ISBN - 13: 978 - 3903161054
                  Preis: 7.90 Euro plus 1 Euro Porto
                                         Ein Kinderschicksal im Krieg
 

                                                      Leseprobe von: Die Erzählungen vom Winterkind.

Als der Morgen graute und es langsam begann hell zu werden, beschloss Agnes einen Zug zu erreichen, um sich und ihre Kinder in Sicherheit zu bringen. Wann und ob überhaupt ein Zug kommen würde, war ungewiss. So verließen sie ein zweites Mal die Siedlung und machten sich auf den Weg zum Bahnhof. Sie wollten auf keinen Fall, dem Feind in die Hände fallen.

Draußen war es bitterkalt. Ein eisiger Schneesturm fegte über ihnen hinweg und machte ihnen das Atmen schwer. Gegen Mittag sollte tatsächlich ein Zug von Ost nach West fahren. Agnes und ihre Kinder schlossen sich der fliehenden Masse an, die zum Bahnhof eilten. Als der Zug, nach langem Warten, endlich einfuhr, spielten sich dramatische Szenen ab. Verzweifelt drängten sich die Menschen auf dem Bahnsteig, um in einigen der wenigen Eisenbahnwaggons zu gelangen. Agnes hielt ihre Kinder dicht an sich gepresst, um sie in der wogenden Menge nicht zu verlieren. Marie klammerte sich an die Hand ihrer Mutter, als sie plötzlich losgerissen und in die Höhe gehoben wurde. Hastig schob sie jemand durch ein offenes Abteilfenster in das Zuginnere. Die Türen waren von der drängenden Menschenmenge vollkommen versperrt. Auch andere Kinder waren auf diese Art und Weise im Zug gelandet. Wie die Heringe, aneinander gepresst, lagen sie in den Gängen auf dem kalten Boden und weinten.

Als sich der Zug in Bewegung setzte, brach Panik aus. Die Mütter, deren Kinder im Zug gelandet waren, klammerten sich von außen an die Waggons, saßen auf den Puffern oder kletterten auf die Dächer des fahrenden Zuges, um nach wenigen Kilometern Fahrt, durch die Eiseskälte und heftigem Schneetreiben den Halt zu verlieren und mit blaugefrorenen Händen abzustürzen.

Agnes war es nicht gelungen, ein kleines Fleckchen für sich und die Kinder zu finden. Verzweifelt blieb sie zurück. Irre vor Angst um Marie gingen sie zurück auf die Siedlung.

 

Die Kinder im Zug weinten still vor sich hin. Auch Marie konnte sich nicht beruhigen. Immer wieder huschten ihre Augen, auf der Suche nach dem vertrauten Gesicht ihrer Mutter, durch den Waggon, doch sie blickte nur in fremde Gesichter. Namen wurden von Abteil zu Abteil durchgegeben, flogen von Mund zu Mund. Mütter suchten ihre Kinder, Kinder fragten nach ihren Müttern. Maries Name wurde nicht erwähnt. Die Enttäuschung stand ihr im Gesicht geschrieben. Da einige Gleise durch die Kampfhandlungen zerstört waren, wurde der Zug umgeleitet. Statt Richtung Westen zu fahren, fuhren sie, einen großen Bogen nach Osten, dem Feind entgegen. Bei den Erwachsenen hatte sich die Hoffnung auf baldige Sicherheit vor dem Feind ausgebreitet, als die dunkle Nacht sich plötzlich in gleißendes Tageslicht verwandelte. Tiefflieger waren am Himmel, wie aus dem Nichts aufgetaucht und feuerten aus allen Rohren. Tumult brach aus. Die Stärksten trampelten über die Schwächsten. Der Zug hielt auf offener Strecke und alles drängte nach draußen. Wie mit einer Woge wurde Marie mitgerissen. Geschosse flogen, Menschen schrien, Kinder weinten. Marie rannte in einen Graben, rollte sich wie ein Embryo zusammen, klapperte mit den Zähnen und erwartete den Tod. Als der Spuk vorbei war, entfernte sie sich wie in Trance, übergab sich alle paar Meter, bis nur noch bittere Galle kam. Sie spürte ihre Füße kaum. Marie hatte vor Angst in ihre Trainingshose genässt. Die Hose was dadurch steif gefroren und scheuerte zwischen den Beinen. Schnee wirbelte durch die Luft, der eisige Wind riss an ihrem dünnen Mantel. Sie zitterte vor Kälte.

Ein einziges Mal blieb sie stehen und machte ihrem Herzen Luft, als ihr bewusst wurde, dass sie verloren gegangen war. Sie umarmte einen Baum, stampfte mit den Füßen in den Schnee, blickte in den Himmel, hörte das schwache Brummen der abziehenden Flieger und schrie aus vollem Halse:

„Ihr blöden Affen! – Ihr Blöden!“

Marie hatte Hunger und Angst bekommen. Aber die Angst war größer. Sie wusste nicht, wie lang sie schon durch die Dunkelheit gelaufen war, als sie auf ein Dorf stieß, das in völliger Dunkelheit lag. Der Mond hatte sich hinter den Wolken versteckt, er spendete nur ein karges Licht, als könne er das Elend auf der Erde nicht mehr mit ansehen! Die Straßen waren voller Löcher, Häuser nur noch Steinhaufen, überall ausgebrannte Dächer, nur noch der Kirchturm ragte sinnlos in den Himmel. Tiefe Trichter von Bomben und Granaten, viele Einschüsse an den Wänden. Die Türen der Häuser standen offen oder waren eingetreten, das Ortsschild war mit schwarzer Farbe überpinselt. Einfach ausradiert. Hier hatte der Feind sich ausgetobt. Marie wusste nicht, wo sie sich befand. Am Ende des Dorfes lag ein kleines Anwesen. In der daneben liegenden Scheune fand sie eine stinkende, grobe Pferdedecke. Sie wickelte sich ein, denn der Körper verlangte nach Schlaf, trotz grimmiger Kälte.Sie träumte von ihrer Mutter, die mit erhobenem Zeigefinger vor ihr stand. „Marie, du hörst mir wieder einmal nur mit halbem Ohr zu. Was sollst du tun, wenn wir auseinandergerissen werden? Dich an andere Menschen halten. Hast du verstanden?“

„Aber hier gibt es keine Menschen mehr“, murmelte sie und fiel wieder in einen oberflächlichen, unruhigen Schlaf.

Als Marie erwachte, graute schon der Morgen und ein neuer Tag begann so grimmig, wie der Gestrige geendet hatte. Sie ging vor die Scheune, leckte ein wenig Schnee, verzog sich wieder und döste den ganzen Tag vor sich hin. Im Dorf rührte sich nichts. Kein Huhn gackerte, kein Hahn krähte, nur in einem Baum zwitscherte ein Vöglein. Gegen Abend beschloss sie im Haus nach etwas Essbarem zu suchen und danach wollte sie weiterziehen. Als sie sich dem Haus näherte, flackerte hinter einer kaputten Fensterscheibe ein Licht. Die Haustüre war nicht verschlossen. Mutig klopfte sie an und trat ein. Ein altes Mütterchen saß in einem Schaukelstuhl. Ein Ofen bullerte, der wohlige Wärme ausstrahlte.

„Verschwinde!“, rief die Frau und drohte mit einem Schürhaken, „hier ist nichts mehr zu holen!“

„Bitte, Omachen, ich erfriere da draußen. Bitte, nur eine Nacht“, bettelte sie. „Morgen ziehe ich weiter!“ Marie gab nicht auf und näherte sich der Frau, die sofort wieder den Feuerhaken hob. Die kleinen, wasserblauen Augen der Frau musterten Marie und plötzlich war sie wie umgewandelt.

„Ach, du bist es Pauline! Wie kommst du hier her? Sind deine Mutter und dein Vater auch zurückgekommen?“

„Oma, ich bin nicht Pauline. Ich heiße Marie. Der Feind hat unseren Zug beschossen und …!“,erwiderte Marie.

„Komm näher, Pauline, damit ich dich besser sehen kann. Du bist sicher hungrig. Inder Röhre stehen warme Kartoffeln. Iss dich nur satt. Schön, dass du wieder da bist! Aber deinen Eltern werde ich was erzählen, dich einfach alleine zurückzuschicken!“

Marie war alt genug, um zu bemerken, dass die Frau im Kopf ein wenig verdreht war. Dann hieß sie eben ab heute Pauline. Hauptsache, sie konnte bleiben. Ihre Mutter würde sie finden und wenn sie jedes Dorf an der Bahnstrecke absuchen musste. - Vorausgesetzt sie fielen dem Feind nicht in die Hände. Marie aß sich an den Kartoffeln satt, legte sich neben den Ofen auf die Erde und schlief ein. Auch die Oma war in ihrem Schaukelstuhl eingeschlafen.

Die ersten Morgenstrahlen blinzelten durch die kaputten, mit Papier ausgestopften Fensterscheiben, als die Türe mit einem Fußtritt aufgestoßen wurde. Drei zwielichtige Gestalten stürmten durch die Küche, zerschlugen im Nebenraum die Möbelstücke, schlitzten Polster auf, zerstreuten Familienbilder, nahmen sich, was sie gebrauchen konnten und verschwanden. Oma saß wie erstarrt, mit erhobenen Feuerhaken in der Hand, in ihrem Schaukelstuhl. Bereit zum Kampf.„Pauline, Pauline, warum bist du nur zurückgekommen? Du warst bei Onkel Karl in Sicherheit!“

„Ach. Omachen, ich bin nicht Pauline. Ich heiße Marie …“, begann Marie aufs Neue, doch die Frau hörte nicht auf sie. Sie blickte in die Runde, als suche sie etwas, was sie vor langer Zeit verloren hatte. Vor diesem Blick bekam Marie Angst. Sie schnappte sich ihre Pferdedecke und rannte in die Scheune zurück.

Von dort aus hörte sie die alte Frau singen.

„Mariechen saß weinend im Garten …“ Es klang so schaurig, dass Marie sich die Ohren zuhielt. Als es ihr zu sehr kalt wurde und die Alte endlich still wurde, huschte sie wieder ins Haus zurück.

Draußen schneite es unaufhörlich und der Wind wirbelte Schnee durch sämtliche Ritzen und Löcher des Hauses.

„Ich muss weg“, dachte Marie. Aber wohin? Nach Hause? Ich könnte es schaffen, aber ich weiß ja nicht einmal, wo ich mich befinde!“

Die Oma riss sie aus ihren Grübeleien.

„Pauline koch` Kartoffeln und hole draußen aus dem Eiskeller ein Glas Leberwurst. Zur Feier des Tages kannst du auch ein Glas Mirabellen mitbringen. Wir wollen feiern!“

„Oh, Oma! Was und wo ist ein Eiskeller?“, dachte Marie. Ich kenne nur den Kriechkeller unter der Küche, wo die Kartoffeln lagern.“

„Beeil dich!“, forderte Oma sie auf.

Marie hüllte sich in ihre Decke und ging nach draußen. Dort blickte sie sich suchend um. Neben der Scheune lag ein Stapel Holz. Daneben Gerümpel; Blechdosen, durchlöcherte Wassereimer, Stacheldraht, ein alter Besen. Der Geröllplatz zog sie irgendwie an. Mit den Händen entfernte sie den Schnee und eine Klapptüre wurde sichtbar. Sie fand einen Griff und mit äußerster Kraftanstrengung konnte sie die Türe zur Seite klappen. Es schepperte in der lautlosen Stille.

Vereiste Erdstufen führten nach unten in einen Raum. Marie war unheimlich zumute. Es stank erbärmlich. Im kargen Licht des Tages sah sie an einer Wand Regale, vollgestellt mit Einmachgläsern vom Feinsten. An den Haken hingen Räucherwürste und ganze Schinken. Um an diese Köstlichkeiten zu gelangen, müsste sie sich überwinden, ein Hindernis wegzuräumen. Dafür reichte ihre Kraft nicht aus.

Von der Decke herab hingen zwei erhängte Menschen. Eine Frau und ein Mann. Marie stolperte entsetzt nach oben, schlug die Klappe zu, übergab sich und wankte ins Haus.

„Was sollte sie nur der Oma sagen?“ Ihr war so übel!

„Die Türe zum Eiskeller ist zugefroren“, log sie. „Ich bekomme sie nicht auf!“ Dann rannte sie wieder nach draußen und übergab sich erneut.

„Immer nur Pellkartoffeln“, maulte Oma zwar, beruhigte sich aber wieder danach.

Marie ging in den Nebenraum, ein ehemaliges Wohnzimmer und fand, was sie suchte. Ein Familienfoto. Sie hielt es der Oma vor die Nase.

„Ah, deine Eltern“, stellte sie fest. „Haben sie gesagt, wann sie wieder zurückkehren?“

Marie schüttelte den Kopf.

„Arme Oma“, dachte sie. Deine Lieben werden nie mehr zurückkommen. Sie hängen im Eiskeller zwischen Speck und Würsten und wir verhungern hier oben.

                                    
 
                                     "Schneeflocken außer Rand und Band" 
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  3. Neuauflage - Zur Zeit nicht lieferbar
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